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Online-Marketing-Strategie: von Zielen zu Kennzahlen

Die meisten Papiere, die „Strategie" heißen, sind eine Liste von Kanälen mit Häkchen daneben. Eine Strategie beantwortet zuerst etwas anderes: was ein Kunde wert ist und an welcher Stelle es heute abreißt.

Zuletzt geprüft: 7. August 2026 Lesezeit: ca. 12 Minuten Kennzahlen im Text: keine
Ein Tablet und ein Smartphone zeigen ein Strategie-Dashboard: auf dem Tablet die Zeilen „Online-Marketing-Strategie“ und „Von Zielen zu Kennzahlen“, darunter sechs nummerierte Schritte von „Ziel definieren“ über „Kundenwert verstehen“ und eine Strecke Besuch, Lead, Opportunity, Kunde bis zu „Performance messen & optimieren“, dazu fünf Kennzahlenfelder mit Beispielwerten und ein Kreisdiagramm zur Budgetverteilung. Auf dem Smartphone „Dein Fahrplan zum Marketing-Erfolg“ mit den sechs Schritten Ziel, Strecke, Engpass, Kennzahl, Kanal und Optimierung.

Beispielansicht eines Berichts. Die Zahlen darin sind Demodaten und kein Ergebnis einer Kampagne.

Es gibt ein Bild, das die Sache trifft: Du willst in dreißig Minuten am Ziel sein und kennst den Weg nicht. Losfahren hilft dann wenig, und schneller fahren hilft gar nicht.

In der Praxis wird trotzdem meist genau so angefangen — mit der Frage, welche Kanäle man belegen soll. Das ist nicht der Anfang. Das ist der vierte Schritt.

Kapitel 01

Was eine Strategie ist — und was eine Kanalliste ist

Eine Kanalliste sagt, was es gibt. Eine Strategie sagt, was du nicht tust und warum. Das ist der ganze Unterschied, und er ist an einem Papier in zehn Sekunden zu erkennen: Wenn nirgends steht, worauf verzichtet wird, ist es keine Strategie.

Drei Dinge muss sie leisten, sonst trägt sie nicht:

  • Sie legt eine Reihenfolge fest. Nicht alles gleichzeitig, sondern was zuerst und woran man merkt, dass das Nächste dran ist.
  • Sie nennt eine Zahl, an der man scheitern kann. Ein Ziel, das nicht verfehlt werden kann, ist ein Wunsch.
  • Sie hält einer Kürzung stand. Wenn das Budget halbiert wird, muss aus ihr hervorgehen, was bleibt — sonst wird in der Sitzung improvisiert.

Eine Strategie erkennst du daran, dass darin steht, was du nicht tust.

Kapitel 02

Der Anfang: was ein Kunde wert ist

Vor jeder Zielsetzung steht eine einzige Zahl, und in den meisten Häusern ist sie nicht bekannt: Was bringt ein gewonnener Kunde, über seine gesamte Dauer, nach Abzug dessen, was seine Betreuung kostet?

Ohne diese Zahl lässt sich kein Kanal beurteilen, kein Gebot festlegen und kein Preis pro Kontakt als zu hoch oder zu niedrig erkennen. Mit ihr wird aus jeder folgenden Entscheidung eine Rechnung.

Zwei Näherungen genügen für den Anfang, und beide stehen in der eigenen Buchhaltung:

  • Der Rohertrag eines durchschnittlichen Auftrags — nicht der Umsatz.
  • Wie oft ein Kunde wiederkommt, über einen überschaubaren Zeitraum gerechnet, etwa zwei Jahre.

Wer das nicht auf zwei Nachkommastellen weiß, ist in guter Gesellschaft — und sollte trotzdem mit einer Schätzung anfangen statt mit keiner Zahl. Eine grobe Größenordnung schließt Kanäle aus. Gar keine schließt nichts aus.

Kapitel 03

Von einem Ziel zu einer Kennzahl

„Mehr Sichtbarkeit", „die Marke nach vorn bringen", „digitaler werden" — das sind Absichten, keine Ziele. Der Weg von der Absicht zur steuerbaren Größe geht über vier Stufen, und jede davon ist eine Übersetzung.

  • Die Geschäftsabsicht. Was soll sich im Unternehmen ändern? Mehr Neukunden, höhere Bestellwerte, weniger Abwanderung — nur eines davon zur Zeit.
  • Die Zielgröße. Dieselbe Absicht als Zahl mit Frist: wie viele, bis wann, gegen welchen heutigen Wert.
  • Die Zwischengröße. Was muss dafür passieren? Bei Neukunden etwa: so viele Anfragen, bei einer bekannten Abschlussquote.
  • Die Steuergröße. Was kann die Kampagne unmittelbar beeinflussen? Der Preis je Kontakt, die Zahl der Kontakte, die Qualität der Zielgruppe.

Der häufigste Fehler steckt zwischen Stufe zwei und drei: Die Abschlussquote wird geschätzt statt gemessen. Liegt sie in Wirklichkeit halb so hoch, ist die ganze Planung um den Faktor zwei daneben — und niemand merkt es, bis das Quartal vorbei ist.

Die Kette rückwärts gerechnet, an einem erfundenen Fall — die Zahlen sind Platzhalter und sollen nur zeigen, wie die Rechnung läuft:

  • Absicht: zwanzig neue Kunden im Quartal.
  • Abschlussquote im Vertrieb: jede vierte qualifizierte Anfrage wird ein Kunde — also achtzig Anfragen.
  • Qualifizierungsquote: von den eingehenden Anfragen ist jede zweite überhaupt bearbeitbar — also hundertsechzig Anfragen gesamt.
  • Was ein Kunde bringt (aus Kapitel 02) mal zwanzig ergibt die Obergrenze dessen, was das Quartal kosten darf. Geteilt durch hundertsechzig steht da der Preis, den eine Anfrage höchstens kosten darf.

Diese eine Zahl am Ende ist die Steuergröße. Sie ist der einzige Wert, den eine Kampagne unmittelbar beeinflussen kann — und der einzige, über den sich mit einem Dienstleister sinnvoll verhandeln lässt.

Zwei Dinge fallen bei dieser Rechnung regelmäßig auf, und beide sind unbequem: Erstens ist der zulässige Preis je Anfrage oft höher, als das Bauchgefühl erlaubt hätte — und ein zu niedrig angesetztes Gebot verhindert dann genau das Wachstum, das man wollte. Zweitens hängt das ganze Ergebnis an zwei Quoten, die im eigenen Haus entstehen und nicht bei der Kampagne. Wer sie um zehn Punkte verbessert, spart mehr als jede Optimierung an der Anzeige.

Kapitel 04

Wo reißt deine Strecke ab?

Die nützlichste halbe Stunde einer Planung ist eine Diagnose. Sie besteht aus vier Zahlen, die fast jedes Haus hat, und einer Frage.

  • Wie viele Menschen erreichen dich überhaupt?
  • Wie viele davon tun etwas — anfragen, anmelden, in den Warenkorb legen?
  • Wie viele davon schließen ab?
  • Wie viele kommen wieder?

Die Frage lautet: Welcher der drei Übergänge ist der schwächste? Denn dort und nur dort wirkt zusätzliches Budget.

Der Grund, warum diese Diagnose so oft übersprungen wird: Sie führt regelmäßig zu einem unbequemen Ergebnis. Wer viel Zulauf und wenige Abschlüsse hat, braucht keine Reichweitenkampagne, sondern eine bessere Zielseite oder ein anderes Angebot — und das ist eine Aufgabe im eigenen Haus, nicht eine, die man einkaufen kann.

Kapitel 05

Erst hier kommt der Kanal

Steht die Diagnose, ist die Kanalfrage fast beantwortet. Der schwächste Übergang bestimmt die Aufgabe, und die Aufgabe bestimmt den Kanal.

  • Zu wenige erreichen dich → Aufmerksamkeit: Bewegtbild, Anzeigen im redaktionellen Umfeld, Fremdverteiler.
  • Genug erreichen dich, zu wenige tun etwas → das ist selten ein Kanalproblem. Zuerst Zielseite, Angebot und Formular ansehen.
  • Viele fragen an, wenige schließen ab → die Qualität der Zielgruppe oder der Anschluss im Vertrieb. Mehr Kontakte machen es schlimmer, nicht besser.
  • Kaum jemand kommt wieder → Bindung: eigener Verteiler, Anlässe, Nachfassen.

Welche Kanäle es überhaupt gibt und was sie leisten, steht im Leitfaden zu den Grundlagen — hier geht es nur darum, in welcher Reihenfolge sie infrage kommen.

Ein Beispiel für einen Fall, der oft übersehen wird: Wer über ein Bewegtbildformat Aufmerksamkeit erzeugt und danach nichts vorbereitet hat, verliert den größten Teil davon. Die Kombination aus einem ersten Kontakt und einem späteren Nachfassen ist kein Zusatz, sondern die zweite Hälfte derselben Maßnahme.

Kapitel 06

Warum ein Budget nicht gleichmäßig verteilt wird

Die häufigste Aufteilung ist die gerechte: gleich viel auf jeden Kanal. Sie ist die schlechteste, und der Grund ist keine Meinung, sondern eine Eigenschaft der Systeme.

Ein Kanal wird erst steuerbar, wenn er genug Fälle sammelt. Unterhalb dieser Schwelle liefert er Zahlen, die von Zufall nicht zu unterscheiden sind — und jede Optimierung darauf ist Rauschen hinterherlaufen. Sechs Kanäle unter der Schwelle sind sechsmal nichts.

Die belastbarere Aufteilung folgt drei Regeln:

  • Ein Kanal bekommt genug, um über die Schwelle zu kommen — lieber einer richtig als drei halb.
  • Ein kleiner Teil bleibt für einen Versuch. Ohne ihn testet man nie etwas Neues; mit mehr als einem Zehntel gefährdet man das Laufende.
  • Ein Teil ist für den Anschluss reserviert, nicht für die Reichweite. Was nach dem ersten Kontakt passiert, hat in den meisten Plänen kein eigenes Budget — und ist genau die Stelle aus Kapitel 04, an der es abreißt.
Kapitel 07

Die ersten 90 Tage

Ein Plan, der ein Jahr umfasst, wird nicht durchgehalten. Ein Plan über ein Quartal schon — und ein Quartal reicht in den meisten Fällen für eine erste belastbare Aussage.

  • Die ersten drei Wochen: messen können. Erfassung einrichten, Ausgangswerte festhalten, die vier Zahlen aus Kapitel 04 dokumentieren. Wer diesen Schritt überspringt, hat am Ende keinen Vergleich.
  • Woche vier bis acht: einen Kanal fahren. Groß genug für die Schwelle aus Kapitel 06, mit mindestens zwei Fassungen des Werbemittels, und ohne wöchentliche Eingriffe.
  • Woche neun bis zwölf: auswerten und eine Sache ändern. Nur eine — sonst ist die nächste Auswertung nicht zuzuordnen.

Am Ende steht keine Erfolgsmeldung, sondern eine Entscheidung: weiter, größer, anders oder beenden. Alle vier sind gültige Ergebnisse, und „beenden" ist das am häufigsten unterdrückte.

Kapitel 08

Woran du merkst, dass die Strategie nicht trägt

Vier Anzeichen, und sie kommen früher als die Zahlen.

  • Im Bericht steht, was gut lief. Wenn nie eine Zahl fällt, wird die falsche berichtet.
  • Jede Sitzung bringt einen neuen Kanal hervor. Das ist kein Ideenreichtum, sondern das Ausweichen vor der Diagnose.
  • Niemand kann sagen, was ein Kunde wert ist. Dann ist jede Preisdiskussion eine Geschmacksfrage.
  • Das Ziel wandert mit. Wird es nach einem schwachen Quartal umformuliert statt verfehlt, gibt es kein Ziel.

Was in diesem Fall hilft, ist nicht mehr Planung, sondern weniger. Der wirksamste Eingriff ist, alles bis auf einen Kanal auszusetzen und drei Monate lang nur eine Zahl zu verfolgen — die Steuergröße aus Kapitel 03. Das ist unbequem, weil es nach Rückschritt aussieht, und es ist der schnellste Weg zu einer belastbaren Aussage.

Der zweite Eingriff kostet nichts: Schreib vor dem nächsten Quartal auf, was du erwartest — als Zahl, mit Datum. Wer seine Erwartung vorher festhält, kann sie hinterher prüfen. Wer es nicht tut, erinnert sich am Ende immer daran, ungefähr das erwartet zu haben, was eingetreten ist.

Kapitel 09

Wo die Grenzen liegen

Vier Einschränkungen, auch für diesen Leitfaden.

  • Eine Strategie ersetzt kein Angebot. Wenn das Produkt, der Preis oder die Verfügbarkeit nicht stimmen, macht die beste Planung das nicht wett — sie deckt es nur schneller auf.
  • Die Diagnose aus Kapitel 04 braucht Zahlen. Wer keine hat, fängt mit Schätzungen an und muss sie als solche kennzeichnen, sonst rechnet das ganze Haus mit erfundenen Werten weiter.
  • 90 Tage reichen nicht überall. Wo eine Kaufentscheidung ein halbes Jahr dauert, ist nach einem Quartal noch nichts entschieden — dort misst man Zwischengrößen und wartet.
  • Nicht jede Lücke lässt sich einkaufen. Die häufigste Ursache eines schwachen Übergangs liegt im eigenen Haus, und dafür gibt es keinen Kanal.
Häufige Fragen

Häufige Fragen

Womit fängt eine Online-Marketing-Strategie an?

Mit der Frage, was ein gewonnener Kunde wert ist — Rohertrag statt Umsatz, über einen überschaubaren Zeitraum gerechnet. Ohne diese Größenordnung lässt sich kein Preis je Kontakt beurteilen und kein Kanal ausschließen.

Der zweite Schritt ist die Diagnose: Erreichen zu wenige dich, tun zu wenige etwas, schließen zu wenige ab oder kommen zu wenige wieder? Der schwächste dieser Übergänge bestimmt, was als Nächstes zu tun ist. Die Kanalfrage kommt danach.

Welche Online-Marketing-Strategien sind am effektivsten?

Es gibt keine, die unabhängig vom Fall am wirksamsten wäre — jede allgemeine Antwort darauf ist Werbung. Was sich allgemein sagen lässt: Eine Aufteilung, die einen Kanal über die Auswertbarkeitsschwelle bringt, schlägt eine, die dasselbe Budget gleichmäßig auf sechs verteilt.

Und der verlässlichste Einzelbefund: Der häufigste Engpass liegt nicht in der Reichweite, sondern in dem, was nach dem ersten Kontakt vorbereitet ist.

Wie verteile ich mein Budget auf die Kanäle?

Nicht gleichmäßig. Ein Kanal wird erst steuerbar, wenn er genug Fälle sammelt; darunter sind seine Zahlen von Zufall nicht zu unterscheiden. Deshalb bekommt zuerst einer genug, um über diese Schwelle zu kommen.

Daneben gehören zwei Posten in jeden Plan: ein kleiner Teil für einen Versuch und ein Teil für den Anschluss nach dem ersten Kontakt. Der zweite fehlt in den meisten Plänen vollständig.

Wie kombiniere ich mehrere Kanäle sinnvoll?

Über die Aufgabe, nicht über die Menge. Ein Kanal, der Aufmerksamkeit erzeugt, und einer, der den entstandenen Kontakt hält, ergänzen sich — zwei, die beide Aufmerksamkeit erzeugen, konkurrieren um dasselbe Budget.

Die praktische Prüfung: Wenn du den zweiten Kanal abschaltest und der erste dadurch schlechter wird, hängen sie zusammen. Wenn nicht, laufen zwei Kampagnen nebeneinander her.

Wie lange dauert es, bis eine Strategie wirkt?

Für eine erste belastbare Aussage genügt in den meisten Fällen ein Quartal: drei Wochen einrichten und messen können, fünf Wochen fahren, vier Wochen auswerten und eine Sache ändern.

Wo eine Kaufentscheidung ein halbes Jahr dauert, gilt das nicht — dort misst man Zwischengrößen wie die Zahl qualifizierter Gespräche und wartet mit dem Urteil.

Woran erkenne ich, dass die Strategie nicht trägt?

An vier Anzeichen, die früher kommen als die Zahlen: Im Bericht steht nur, was gut lief. Jede Sitzung bringt einen neuen Kanal hervor. Niemand kann sagen, was ein Kunde wert ist. Und das Ziel wird nach einem schwachen Quartal umformuliert statt verfehlt.

Das dritte ist das schwerwiegendste, weil daraus folgt, dass jede Preisdiskussion eine Geschmacksfrage bleibt.

Und dann

Zum Weiterlesen

Welche Kanäle es gibt und welche zwei zu dir gehören, steht im Leitfaden zu den Grundlagen. Warum ein höherer Preis je Kontakt oft der günstigere ist — die Rechnung aus Kapitel 02 —, steht in Warum ein höherer CPL oft günstiger ist.

Was mit einem ersten Kontakt passieren muss, damit er nicht verloren geht, steht in Nach dem Video. Und warum eine fallende Abschlussquote kein Warnsignal sein muss, in Warum mehr Traffic oft die Conversion Rate senkt.

Nächster Schritt

Welcher deiner vier Übergänge ist der schwächste?

Die Diagnose aus Kapitel 04 braucht vier Zahlen, die du wahrscheinlich schon hast. Bring sie mit, und wir sagen dir, an welcher Stelle zusätzliches Budget etwas ändert — und an welcher nicht.

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