performance werk Gespräch starten
Start  ·  Gut zu wissen  ·  B2B über Fremdverteiler

Externe Leadgenerierung im B2B: was ein Fremdverteiler leistet

Wer ein erklärungsbedürftiges Produkt verkauft, kommt selten mit einem Kontakt aus. Ein Mailing über einen fremden Verteiler erzeugt keinen Abschluss — es erzeugt die Möglichkeit, ein zweites Mal zu schreiben.

Der erste Kontakt aus einem fremden Verteiler ist kein Lead. Er ist die Erlaubnis, es noch einmal zu versuchen.

Worauf dieser Artikel hinausläuft

Ein Systemhaus, ein Hersteller von Prüftechnik, ein Versicherer mit einem Gewerbeprodukt: In allen drei Fällen ist der Kauf eine Entscheidung mit mehreren Beteiligten, einer Prüfung und einem Budget, das erst im nächsten Jahr frei wird.

Wer in einem solchen Geschäft Kontakte einkauft, kauft nie einen Abschluss. Die Frage ist deshalb nicht, wie man an Adressen kommt, sondern was ein erster Kontakt in diesem Geschäft überhaupt sein kann.

Kapitel 01

Warum erklärungsbedürftige Produkte anders laufen

Drei Eigenschaften unterscheiden dieses Geschäft von einem, in dem jemand etwas in einen Warenkorb legt.

  • Mehrere Personen entscheiden. Wer den Bedarf hat, unterschreibt nicht; wer unterschreibt, liest die erste Ansprache nicht.
  • Der Zeitpunkt gehört nicht dir. Ein Bedarf entsteht aus einem Vertragsende, einer Störung, einer Vorschrift. Eine Ansprache trifft entweder in dieses Fenster oder daneben.
  • Die Sache muss erklärt werden. Und Erklärung braucht mehr Platz und mehr Anläufe als eine Anzeige hergibt.

Daraus folgt eine unbequeme Rechnung: Der Anteil derer, die beim ersten Kontakt kaufbereit sind, ist klein — und er ist nicht zu vergrößern, sondern nur öfter zu treffen. Das ist der Grund, warum Reichweite in diesem Geschäft anders eingesetzt wird als im Handel.

Kapitel 02

Was ein Fremdverteiler ist — und was er nicht ist

Ein Mailing über einen fremden Verteiler heißt: Der Versand geht an Adressen, die jemand anderes erhoben hat und die auch bei ihm bleiben. Du bekommst die Aussendung, nicht die Liste.

Das ist der Unterschied zu einem eigenen Verteiler, und er ist keine Kleinigkeit. Der eigene ist langsam im Aufbau und bleibt. Der fremde ist sofort verfügbar und gehört weiterhin einem anderen — beim nächsten Mal wird er erneut bezahlt.

Der Sinn liegt deshalb nicht darin, dass diese Adressen dir gehören. Er liegt darin, dass sie der erste Berührungspunkt mit Menschen sind, die dich nicht kennen — und dass aus einem Teil davon ein eigener Kontakt werden kann, wenn der zweite Schritt vorbereitet ist.

Wer einen Fremdverteiler bucht, kauft Reichweite. Ob daraus ein eigener Kontakt wird, entscheidet sich hinter dem Klick.

Kapitel 03

Abgerechnet wird nach Reaktion, nicht nach Aussendung

Ein Mailing lässt sich nach der Zahl der versendeten Nachrichten abrechnen oder nach der Zahl derer, die reagiert haben. Der Unterschied sieht kaufmännisch aus und ist ein Unterschied im Risiko.

Wird nach Aussendung bezahlt, trägst du das Risiko, dass ein Verteiler alt, schlecht gepflegt oder für dein Thema unpassend ist. Wird nach Reaktion bezahlt, trägt es der Betreiber des Verteilers — und damit hat er ein Interesse daran, dass die Aussendung zu seinem Bestand passt.

Genau deshalb ist die Frage, welche Reaktion abgerechnet wird, die wichtigste im ganzen Angebot. Und ihre Antwort hat sich seit einigen Jahren geändert.

Kapitel 04

Die Auswahl über Öffnungen trägt nicht mehr

Lange galt die Öffnung als das brauchbare Signal: Wer eine Nachricht öffnet, zeigt Interesse; wer mehrfach öffnet, zeigt mehr davon. Auf dieser Annahme beruhen Abrechnungsmodelle und Auswahlverfahren — auch eines, das wir selbst einmal so beschrieben haben.

Diese Annahme hält seit Herbst 2021 nicht mehr. Verbreitete Schutzmechanismen in Postfächern laden die Zählpixel im Voraus, unabhängig davon, ob ein Mensch die Nachricht ansieht. Eine gemeldete Öffnung kann seither ein Interesse bedeuten oder einen automatischen Abruf.

Was an ihre Stelle tritt, ist der Klick. Ein zwischengeschalteter Server folgt keinem Verweis; ein Klick entsteht nur, wenn jemand etwas anfasst. Für ein Mailing über einen fremden Verteiler heißt das dreierlei:

  • Nach Klicks abrechnen, nicht nach Öffnungen. Sonst bezahlst du automatische Abrufe.
  • Die wiederholte Ansprache am Klick festmachen — nicht daran, wer geöffnet hat.
  • Aussendungen vor und nach Herbst 2021 nicht vergleichen. Wer heute noch gegen alte Erfahrungswerte misst, misst gegen einen Wert, den es so nie gab.
Kapitel 05

Was ein Verteiler mitliefern muss

Bevor über Menge und Preis gesprochen wird, gehören vier Angaben auf den Tisch. Sie sind die Vorbedingung dafür, dass die Frage nach der Zulässigkeit überhaupt beantwortbar ist.

  • Woher stammen die Adressen? Selbst erhoben, zugekauft, aus mehreren Quellen zusammengesetzt.
  • Wann und womit wurde die Erlaubnis eingeholt? Datum und Wortlaut, nicht die Zusicherung, dass es eine gibt.
  • Wofür wurde sie erteilt? Eine Erlaubnis ist an ihren Zweck gebunden. Ein Bestand für eine Sache ist für eine andere nicht ohne Weiteres nutzbar.
  • Wie oft geht dieser Bestand sonst noch raus? Ein Verteiler, der wöchentlich für fremde Angebote benutzt wird, reagiert anders als einer, der es selten tut.

Das ist keine Rechtsauskunft, und eine pauschale Zusicherung ersetzt sie erst recht nicht. Ob ein bestimmter Bestand für einen bestimmten Zweck verwendet werden darf, beurteilt, wer die Rechtsprüfung im Haus verantwortet. Was hier steht, ist nur: Ohne diese vier Angaben gibt es nichts zu beurteilen.

Kapitel 06

Die Folge von Mailings, nicht das eine

Eine einzelne Aussendung trifft das Zeitfenster aus Kapitel 01 fast nie. Deshalb ist die sinnvolle Bauform keine Aktion, sondern eine Folge — und sie richtet sich nach dem, was der erste Durchgang ergeben hat.

Die erste Aussendung geht breit an den fremden Bestand. Wer daraufhin klickt, bekommt die zweite; sie kann konkreter sein, weil sie auf ein gezeigtes Interesse trifft. Wer auf die zweite reagiert, ist der Kreis, mit dem sich ein Gespräch anbahnen lässt.

Damit verschiebt sich der Maßstab: Nicht die Zahl der Kontakte aus der ersten Aussendung ist die Kennzahl, sondern wie viele bis zur dritten dabeigeblieben sind. Diese Zahl ist immer klein und immer aussagekräftiger.

Kapitel 07

Wo die Grenze liegt

Vier Einschränkungen gehören dazu.

  • Ein fremder Verteiler ersetzt keinen eigenen. Er ist sofort verfügbar und beim nächsten Mal wieder zu bezahlen. Wer ihn dauerhaft statt eines eigenen Bestands nutzt, mietet auf Dauer, was er hätte aufbauen können.
  • Sehr enge Zielgruppen findet er nicht. Bei einer Zielgruppe von wenigen hundert Betrieben in Europa liefert ein Verteiler entweder zu wenig oder zu ungenau. Dort trägt der persönliche Weg, nicht der breite.
  • Die Folge aus Kapitel 06 braucht Zeit und Anlässe. Drei Aussendungen ohne neue Aussage sind dreimal dieselbe Aussendung. Wer nichts Zweites zu sagen hat, sollte auch das Erste nicht senden.
  • Auch der Klick ist nur ein Signal. Er ist eindeutiger als die Öffnung und bleibt eine Handlung von wenigen Sekunden. Aus einem Klick auf einen Bedarf zu schließen, ist derselbe Fehler eine Stufe später.

Der brauchbarste Satz über diesen Weg ist deshalb der unbequemste: Er liefert keine Leads, er liefert Anlässe — und was daraus wird, entscheidet sich nicht im Mailing, sondern in dem, was danach vorbereitet ist.

Und dann

Zum Weiterlesen

Warum die Öffnung als Signal uneindeutig geworden ist und was sich stattdessen messen lässt, steht ausführlich in Öffnungsraten verbessern. Warum ein höherer Preis je Kontakt in diesem Geschäft oft der günstigere ist, steht in Warum ein höherer CPL oft der günstigere ist.

Was ein eigener Bestand voraus hat, steht in Warum ein eigener Datenbestand umziehen kann. Der Unterschied zwischen exklusiven und geteilten Kontakten steht auf Leadgenerierung, der B2B-Strang auf E-Mail-Marketing.

Nächster Schritt

Was ist bei dir für den zweiten Schritt vorbereitet?

Die erste Aussendung ist der einfachste Teil. Sag uns, was dein Produkt erklärungsbedürftig macht und was nach dem ersten Klick passieren soll — daraus wird die Folge aus Kapitel 06.

Gespräch starten