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KI killt den Klick: warum die Klickrate fällt, obwohl die Position stimmt

Suchmaschinen und Assistenten liefern die Antwort inzwischen selbst. Für eine Seite heißt das: Sie wird gelesen und nicht besucht. Was daraus folgt, ist keine neue Kanalstrategie, sondern ein anderer Maßstab.

Links auf vier Textplatten die Zeilen „Wie KI die Klickwege verändert“, „performance werk“ und „zeigt Deinem Unternehmen neue Wege auf!“, dahinter blass ein Graustufenfoto mit einer Hand, einer Lupe über einer Zielscheibe und Menschen-Piktogrammen. Rechts ein Vergleich zweier Wege: unter „Früher“ die Folge „Nutzer sucht“, „Klick auf organisches Ergebnis“, „Besuch auf externer Seite“, „Conversion“; unter „Heute“ die Folge „Nutzer sucht“, „KI-Antwort direkt auf Google“, „Nutzer bleibt auf Google“ mit dem vierfarbigen Google-Logo, „Kein Klick“. Darunter unter der Zeile „Was Unternehmen jetzt tun müssen“ vier Punkte: „Eigene Daten sammeln“, „Kanäle unabhängig von Plattformen nutzen“, „Direkte Kundenkontakte aufbauen“, „Branding & Wiedererkennung stärken“.

Beispielansicht eines Werbemittels von uns. Die Aussagen im Bild gehören zur dargestellten Vorlage — sie sind keine Zusage und kein Ergebnis einer Kampagne.

Es gibt einen Befund, der in vielen Berichten steht und selten erklärt wird: Eine Seite steht weit vorn, die Zahl der Einblendungen steigt — und die Zahl der Besuche bleibt, wo sie war. Manchmal fällt sie sogar.

Die naheliegende Erklärung wäre ein schwacher Titel oder eine schwache Beschreibung. In vielen Fällen stimmt sie nicht. Der Grund liegt eine Ebene höher: Die Antwort steht inzwischen über dem Ergebnis. Wer sie gelesen hat, hat keinen Anlass mehr zu klicken.

Kapitel 01

Was sich in der Suche geändert hat

Eine Suchmaschine war lange ein Vermittler. Sie hat eine Frage entgegengenommen und auf Seiten gezeigt, die eine Antwort enthalten könnten. Der Klick war der Übergang zwischen beidem.

Heute steht bei vielen Anfragen über der Ergebnisliste eine zusammengefasste Antwort. Sie entsteht aus mehreren Quellen, nennt diese Quellen meist nur als Verweis am Rand und beantwortet die Frage in wenigen Sätzen. Dasselbe gilt für die Assistenten, in die immer mehr Menschen ihre Fragen direkt eintippen: Sie antworten im Gespräch, und die Seite, aus der die Antwort stammt, kommt darin höchstens als Fußnote vor.

Für den, der die Seite betreibt, kehrt sich damit etwas um. Der Inhalt wird weiter genutzt — er wird nur nicht mehr besucht. Aus dem Vermittler ist ein Anbieter geworden, und der Rohstoff dafür sind fremde Seiten.

Kapitel 02

Der Klick war die Messung, nicht die Wirkung

Daraus wird meist ein Verlust abgeleitet, und das ist zu kurz gesprungen. Ein Klick war nie das Ziel. Er war die erste Stelle, an der sich etwas zählen ließ.

Wer eine Antwort liest und weiß, woher sie kommt, hat mitgenommen, was ein Fachtext leisten soll. Was fehlt, ist nicht die Wirkung. Was fehlt, ist die Zeile im Bericht.

Das ist trotzdem ein ernstes Problem, nur ein anderes als das behauptete. Eine Wirkung, die man nicht zählen kann, verliert im Haus jeden Verteilungskampf gegen eine, die man zählen kann. Wer sein Budget über Klickzahlen begründet, kürzt am Ende genau den Teil, der gerade unsichtbar geworden ist — nicht weil er nichts bringt, sondern weil er nichts meldet.

Der Klick ist nicht die Wirkung. Er war die Stelle, an der man sie sehen konnte.

Kapitel 03

Warum die Klickrate fällt, obwohl die Position stimmt

Im Bericht sieht es so aus: Die Position ist gut, die Einblendungen steigen, die Klickrate (englisch CTR) fällt. Dieselbe Kurve kann drei verschiedene Ursachen haben, und sie zu unterscheiden ist die eigentliche Arbeit.

  • Das Ergebnis steht formal vorn und praktisch weit unten. Über den ersten Einträgen liegen Anzeigen, eine Kartenbox, eine zusammengefasste Antwort. Position vier kann mehrere Bildschirmhöhen unter dem Anfang der Seite liegen.
  • Die Frage ist beantwortet, bevor die Liste beginnt. Wer wissen wollte, wie etwas heißt oder wie lange etwas dauert, hat die Antwort bereits.
  • Die Anfrage kam gar nicht von einem Menschen an einer Suchzeile. Anfragen aus Assistenten stehen in denselben Berichten und sind an ihrer Form zu erkennen: ganze Sätze, oft mit Anrede („kannst du empfehlen"), manchmal Reste einer längeren Eingabe. Ein Klick ist dort nicht vorgesehen.

Nur der erste Fall lässt sich mit einem besseren Titel beeinflussen. In den anderen beiden ändert kein Titel etwas — dort wird eine Zahl optimiert, die nicht mehr misst, was sie messen soll.

Kapitel 04

Welche Texte zusammengefasst werden

Wenn die Antwort woanders entsteht, ist die nächste Frage: woraus. Garantieren lässt sich das nicht. Erkennbar ist aber, welche Texte sich leicht zusammenfassen lassen und welche nicht.

  • Eine Frage je Abschnitt, im Wortlaut. Ein Text, dessen Zwischenüberschriften Fragen sind, liefert fertige Abschnitte. Ein Text mit Überschriften wie „Unsere Stärken" liefert nichts, was sich herauslösen ließe.
  • Die Antwort steht im ersten Absatz — nicht am Ende eines Spannungsbogens.
  • Zahlen mit Datum, Methode und Bezugsgröße. Eine Zahl ohne diese drei Angaben ist für eine Zusammenfassung wertlos, weil sie sich nicht einordnen lässt. Für den Leser übrigens auch.
  • Die Grenzen stehen dabei. Ein Text, der sagt, wann etwas nicht funktioniert, beantwortet mehr Fragen als einer, der nur wirbt.
  • Kein Werbetext um die Sache herum. Was sich nicht als Aussage herauslösen lässt, wird nicht herausgelöst.

Das ist keine neue Technik, sondern ein alter Maßstab: Ein Text, den ein Mensch zitieren würde, ist auch der, den eine Maschine zusammenfasst.

Kapitel 05

Was in einer Antwort nie stehen kann

Die Zusammenfassung endet dort, wo es konkret wird. Sie kann erklären, wie ein Format funktioniert. Sie kann nicht sagen, ob eine Fläche in der gewünschten Woche noch frei ist, ob eine Zielgruppe im vorhandenen Adressbestand überhaupt in ausreichender Zahl vorkommt und wer die Freigabe für ein Werbemittel erteilt.

Das ist kein Trost, sondern eine Arbeitsteilung. Der erklärende Teil eines Textes wandert in die Antwort. Der entscheidende Teil bleibt am Ort — im Angebot, im Gespräch, im Datenbestand.

Daraus folgt eine unbequeme Reihenfolge. Wer erklärenden Text schreibt, um Besuche zu erzeugen, arbeitet gegen die Entwicklung. Wer ihn schreibt, um als Quelle zu gelten, arbeitet mit ihr — und braucht daneben einen Weg, auf dem ein Kontakt zustande kommt, der nicht über die Suche läuft.

Kapitel 06

Eigene Kanäle sind kein Ersatz, sondern eine Frage der Messbarkeit

Damit ist die übliche Empfehlung — eigene Kanäle aufbauen — richtig, aber meist falsch begründet. Ein eigener Verteiler ersetzt keine Sichtbarkeit in der Suche, denn er erreicht nur, wer schon einmal da war.

Sein Wert liegt woanders. In einer eigenen Kontaktdatenbank ist der Kontakt zurechenbar: Man weiß, wer erreicht wurde, wann und mit welcher Botschaft — und das bleibt so, auch wenn eine Plattform ihre Darstellung umbaut.

Praktisch heißt das dreierlei: Kontakte selbst erheben, statt sie nur zu mieten. Die Erlaubnis dokumentieren, mit der sie erhoben wurden. Und die Wege so trennen, dass der Ausfall einer Plattform nicht den gesamten Zulauf trifft.

Der Satz „unabhängig von Plattformen werden" ist dabei zu groß. Realistisch ist: den Anteil kennen, der an einer einzelnen Plattform hängt — und ihn nicht wachsen lassen.

Kapitel 07

Wo die Grenze liegt

Vier Einschränkungen gehören dazu, sonst wird aus einer Beobachtung ein Versprechen.

  • Der Effekt trifft nicht alle Anfragen gleich. Fragen, die sich in einem Absatz beantworten lassen, verlieren den Klick zuerst. Wer vergleichen, sehen, buchen oder kaufen will, klickt weiter — dort ist die Antwort nicht das Ende des Vorgangs.
  • Zitiert zu werden lässt sich nicht messen. Ein Bericht zeigt Einblendungen, keine Nennungen. Wer wissen will, ob er in einer Antwort vorkommt, muss die Frage selbst stellen und nachsehen. Das ist eine Stichprobe, keine Messung, und sie fällt von Tag zu Tag anders aus.
  • Es gibt keinen Hebel, der eine Nennung erzeugt. Wer anbietet, eine Erwähnung in einem Assistenten zu buchen, verkauft etwas, das er nicht kontrolliert. Beeinflussbar ist die Eignung des eigenen Textes, nicht die Auswahl.
  • Eine fallende Klickrate hat nicht immer diese Ursache. Ein Umbau der Seite, ein neuer Wettbewerber, die Saison, eine geänderte Auszeichnung im Quelltext — alles davon erzeugt dieselbe Kurve. Erst wenn die anderen Erklärungen ausgeschlossen sind, trägt diese.

Der Klick verschwindet nicht. Er hört auf, der Maßstab zu sein — und diese Änderung steht in keinem Bericht.

Und dann

Zum Weiterlesen

Dass eine Kennzahl fällt, ohne dass etwas schlechter geworden ist, ist kein Einzelfall: Warum mehr Traffic oft die Conversion Rate senkt beschreibt denselben Denkfehler an einer anderen Zahl. Und welche Zahl in welchem Bericht überhaupt etwas aussagt, steht in Was ein Marketing-Dashboard leisten kann.

Die zwei Wege, auf denen ein Kontakt entsteht, ohne über die Suche zu laufen, haben eigene Seiten: Leadgenerierung und E-Mail-Marketing. Dort steht auch, für wen sie jeweils nicht passen.

Nächster Schritt

Woher kommen deine Kontakte, wenn der Klick ausbleibt?

Die Frage ist nicht, wie die Klickrate wieder steigt. Sie ist, welcher Anteil deines Zulaufs heute an einer einzelnen Plattform hängt — und was daneben steht. Sag uns, was gerade läuft, und wir sehen es uns an.

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